Eine Kippa - oder was?

Bild März
 





 

 

 


Nein, es sind weder jüdische Knaben, noch sind es Kardinäle, die auf dem Bild aus dem Jahr 2002 eine liturgische Kopfbedeckung tragen. Aber als wir eines der jährlichen Wochenenden im Kloster Lievelde in Holland verbrachten und zufällig zur gleichen Zeit der Kardinal von Utrecht im Kloster war und sah, wie die vielen Dyckburger Messdiener sich zum Einzug in die Kirche aufstellten, sagte er: „Das ist die Zukunft der Kirche!“ Er hatte vermutlich recht.
 

Auf alten Bildern hatten wir gesehen, dass die Messdiener der Dyckburg-Gemeinde früher rote Kopfbedeckungen trugen (und auf Bildern aus den 30er Jahren auch rote Schuhe!). Sollen wir das nicht wieder einführen? Als die Mehrheit der Dyckburger Messdiener dafür stimmte, haben wir uns bei einer Spezialfirma in Köln solche Kopfbedeckungen anfertigen lassen. Die Messdiener nannten diese Kopfbedeckungen einfach „Petzel“. Schade, dass die Gemeinde nicht mehr besteht und damit auch nicht mehr die „Petzel“.
 

Aber die Ähnlichkeit mit den jüdischen „Kippot“ (Plural von „Kippa“) ist nicht zu übersehen, und ich habe die Messdiener immer wieder darauf hingewiesen.
 

Jüdische Männer tragen, jedenfalls in einer Minderheit, ihre Kippot, außerhalb der Gottesdienste allerdings ziemlich selten. In Israel tragen etwa 20 % der Männer die Kippa, in Deutschland sind es natürlich wesentlich weniger. Es ist auch eine relativ junge Tradition, erst im 17. Jahrhundert fand die Kippa unter jüdischen Männern größere Verbreitung. Die jüdische Kippa wird als ein Symbol für Gottesfurcht und Bescheidenheit betrachtet. Wenn ein nichtjüdischer Mann etwa eine Synagoge betritt, soll er eine Kippa oder wenigstens einen Hut tragen. Wenn ich dann und wann die Synagoge in Enschede besuche, trage ich eine Kippa. Interessant ist im Vergleich, dass die Männer beim Betreten des jüdischen Gotteshauses eine Kopfbedeckung tragen müssen, während beim Betreten eines christlichen Gotteshauses die Männer ihre Kopfbedeckung abzunehmen haben.
 

Aber vielleicht haben Sie bei dem schönen Bild daran gedacht, dass auch der Papst und die Bischöfe solche kleinen Kopfbedeckungen tragen, und zwar in verschiedenen Farben. Auch bei manchen Orden wird sie getragen. Dann nennt man sie aber weder „Petzel“ noch „Kippa“, sondern „Pileolus“ Das Wort kommt von dem lateinischen Wort „Pileus“, was übersetzt „Hut“ bzw „Mütze“ heißt. Also tragen die kirchlichen Autoritäten einen „kleinen Hut“. Bischöfe tragen den Pileolus in der Liturgie, nehmen ihn aber zu Beginn des Hochgebetes ab und setzen ihn erst wieder nach der Kommunion auf. Auch außerhalb der Liturgie kann der Pileolus getragen werden. Der Papst tut es sowieso, auch Bischöfe bei festlichen Anlässen Den Pileolus gibt es schon lange. Ursprünglich bedeckte er den ganzen Kopf. Auch der Pileolus, der ja ein ganz lustiges Kleidungsstück ist, wurde vom 15. Jahrhundert an  verbreitet. Aber es gibt Abbildungen aus dem 14. Jahrhundert, auf denen der Pileolus getragen wurde. Ursprünglich hieß er „Submitrale“, weil Bischöfe ihn unter der Mitra trugen.
 

Bis 1867 war der Pileolus der Bischöge grün – auch ganz lustig.