Eine Kostbarkeit ersten Ranges

Bild Juni


 


Zum ersten Mal habe ich ihn vor etwa 20 Jahren in Osnabrück gesehen; er wurde dort in einer Ausstellung im Diözesanmuseum gezeigt: der Sifridus-Kelch. Ich habe selten eine solche Kostbarkeit gesehen.

 

Der Kelch ist aus dem 13. Jahrhundert, vermutlich nach 1240, so sagte es uns ein Museumsführer. Man bleibt staunend vor ihm stehen. Die Form des Kelches ist  ideal: Oben sieht man verschiedene Reliefs, die Darstellungen aus der Bibel zeigen, sehr feine Arbeiten. Und unten auf der Grundplatte ist es ganz ähnlich. Und in der Mitte ist ein Knauf, der einfach dazu deint, den Kelch festzuhalten.

 

Der Kelch wurde von dem Künstler Sifridus hergestellt, deshalb steht auf dem Schriftband „Sifridus fecit“. Kinder, mit denen ich in der Weihnachtszeit Osnabrück und den Domschatz besucht habe, fragten mich, warum ein Kelch so kostbar sei. Ich habe sie auch auf andere liturgische Gefäße hingewiesen: Kreuze, Statuen, Monstranzen usw., die mit ihrer kostbaren Pracht den Respekt der  Menschen vor dem Heiligen deutlich machen wollen.

 

Der Sifridus-Kelch hat in den fast achthundert Jahren natürlich eine bewegte Geschichte. Von den Schweden wurde er im dreißigjährigen Krieg gestohlen und verschleppt. Ich meine, dass der Kelch heute in Porvoo in Finnland ist, aber ganz genau weiß ich es nicht. Er ist nicht selten in Ausstellungen hier in Deutschland zu sehen, zuletzt vor einigen Jahren auch in Münster in der Ausstellung „Goldene Pracht“. Vor einigen Jahren hat man versucht, den Kelch in Osnabrück zu rauben, aber das ist zum Glück misslungen.

 

Ein starkes Beispiel für die theologische Deutung ist das Gold-Relief von der Opferung Abrahams. Manche haben damals das Opfer als einen Hinweis auf den Opfertod Jesu gedeutet. Das ist , wie ich finde, ein bisschen schräg; weder die Durchführung des Abraham-Isaak-Opfers, noch die Intention der Opfernden

scheint mir in Beziehung zueinander  zu stehen.

 

Und wann gebraucht man den Kelch? Bei vielen feierlichen Anlässen, soweit er nicht nur ein Kunstwerk ist, das man im Museum ansehen kann.

 

Ist es schlecht, wenn ich bei manchen Gottesdiensten, vor allem auf Reisen, bei einer Messe einen Tonkelch gebrauche, den ich in Taize’ gekauft habe, kein Gold, kein Schmuck. Er soll ja nicht repräsentieren, sondern das Heilige beinhalten, das mit dem Kelch verbunden ist.


 
Ulrich Zurkuhlen