Ein bisschen verrückt?

Bild Juni


 


Kürzlich hat mir ein Kollege geradezu vorwurfsvoll gesagt, ich sei doch verrückt mit meinen vielen Teddys; das sei doch nicht normal. Und jemand anders hat mir vor einiger Zeit, ebenfalls ernsthaft, gesagt, ich täte geradezu, als ob Teddys lebende Wesen seien.

 

Ich stelle jetzt mal eine mutige These auf: Auch scheinbar völlig leblose Wesen können in der Realität durchaus eine Spur von Leben haben. Das beste Beispiel sind Natursteine, die man an vielen Stellen, z.B. in den Alpen, finden kann; sie sind scheinbar leblos, tot, aber wir wissen natürlich, dass sie sich im Laufe von Jahrmillionen, irgendwie entwickelt haben; völlig tot sind Steine wohl nicht. Und wie ist es überhaupt mit der Vergänglichkeit vieler Dinge? Sie befinden sich in einem Prozess der Rückentwicklung, aber eben in einem Prozess, in einer Bewegung. Dem Wachsen steht das Vergehen gegenüber.

 

Ich denke hier auch an ein Wort des berühmten Theologen Karl Rahner, der in einer Vorlesung in Innsbruck gesagt hat, er könne sich vorstellen, dass der Untergang der Menschheit in Jahrmillionen dadurch passieren könnte, dass der Mensch sich rückentwickelt zum Tier; zum Hominiden? Zum Affen? Jemand hat mir vor kurzem boshaft gesagt, wenn er in Münsters Innenstadt in der Fußgängerzone sitze und Menschen beobachte, könne  er die Theorie von Rahner mindestens zum Teil nachvollziehen.

 

Jetzt haben wir uns aber von Thema weit entfernt. Ich habe tatsächlich viele Teddys. Der Teddy der Mutter Teresa, den ich vor ein paar Monaten auf der Teddy-Messe „Teddy total“ gekauft habe, scheint mir tatsächlich eine andere Ausstrahlung zu haben als ein Foto, ein Bild, eine Steinfigur der Heiligen. Auch der Martin-Luther-Teddy ist mir irgendwie vertrauter als die vielen Abbildungen dieses Jahres.

 

Und was ist, wenn ich abends müde nach Hause komme und die Teddys mich angucken und wenn ich dann das Gefühl habe: Die Teddys sind präsent; es sind nicht einfach leblose Stoffstücke, sondern da ist irgendwie eine Verbindung, vielleicht sogar eine Beziehung. Und wenn mein Teddy-Senior mir, als ich in meinen ersten Kriegs-Lebensjahren stundenlang im Bunker saß, meine Angst weggewischt hat: Ist das nichts?

 

Übrigens: Jeder siebte Deutsche nimmt seinen Teddy mit auf Reisen, das ergab eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung unter 1100 Männern und Frauen; 19 % der Frauen und 11 % der Männer über 18 Jahren können sich nicht von ihrem Stofftier trennen; 14 % der Befragten brauchen einen Teddy als Einschlafhilfe, 11 % fühlen sich mit ihrem Teddy nicht so allein, Und berühmte Hotels verleihen für die Nacht Teddys für Ihre Klientel, oft durchreisende Handelsvertreter, die sonst nicht gut schlafen könnten. Und viele davon kaufen ihren Teddy am nächsten Tag an der Rezeption.

 

Verrückt? Entscheiden Sie selbst!


 
Ulrich Zurkuhlen