Schüler-Austausch

Kennen Sie den? Ich habe ihn bei einer Sendung des Kölner Karnevals aufgeschnappt.

In den weiten Ebenen Australien hüpfen die Kängurus durch das Land; in den Beuteln tragen die Mütter ihre Jungen. In einem der Beutel sitzt ein kleiner Pinguin. Er schwitzt ganz fürchterlich, und das macht ihn seekrank, so dass er aus dem Beutel kotzt. Es geht dem Kleinen richtig schlecht.

Zur gleichen Zeit: Eine Gesellschaft von Königs-Pinguinen stolziert durch die Eiswüste der Antarktis. Unter ihnen ist ein kleines Känguru, das sich unter den Federn eines großen Kängurus versteckt, ganz fürchterlich friert und am ganzen Leib zittert; schließlich schreit es wütend: „Scheiß-Schüleraustausch“.

Es gab übrigens im Kölner Karneval viele schöne Geschichten, die das ganze Jahr hindurch, auch nach Aschermittwoch, Freude machen.

Wenn ich in Münster in den Zoo gehe, vergesse ich nie, den Pinguinen einen Besuch zu machen. Es sind wunderbare Tiere. Wenn sie unter Wasser schwimmen und sich ihr Futter holen, können sie es mühelos mit jedem Fisch aufnehmen. Das ist auch nötig; denn von Fischen leben sie schließlich. Sie legen ihre Flügel stromlinienförmig an den Körper und stoßen sich mit den großen Füßen ab, aber so, dass man es kaum merkt. Sie werden wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen und gleiten sanft und schnell durch das Wasser hindurch.

An Land sind sie nicht schnell, dafür aber umso würdevoller. Wenn sie auf ihren zwei Füßen stehen, stützen sie sich mit den Schwanzfedern ab. Deshalb ist ihre Haltung besonders gerade und aufrecht. Wenn sie gehen, watscheln sie ein wenig, Da sehen sie ein bisschen unbeholfen aus, aber auch ihr Schreiten ist elegant und würdevoll. Ihr Blick ist ein wenig herablassend, und man kann verstehen, warum man diese wunderbaren Vögel als „Königs-Pinguine“ bezeichnet.

Wir haben das Wort „Pinguin“ aus dem Französischen übernommen; es heißt so etwa wie „Weißkopf“, aber das klingt nicht so schön, da denkt man eher an Gemüse. Pinguine leben in der Antarktis. Man darf auch an sie denken, wenn die Rede vom Klima-Wandel ist. Was wird sein, wenn die Temperaturen auf der Erde steigen? Werden sie dann aussterben, oder wird es ihnen wie im Zoo ergehen, wo sie auch bei durchaus warmen sommerlichen Temperaturen offenbar ganz zufrieden sind. Sie scheinen zwar das Eis zu lieben, aber lebensnotwendig scheint die Antarktis-Kälte für sie nicht zu sein.

Im Zoo stand übrigens ein junges Paar neben mir; der junge Mann meinte, ihn erinnere die Prozession der Pinguine ein wenig an einen Konvent von Ordensschwestern. Das war ganz liebevoll gemeint, und so werden die Ordensschwestern nichts dagegen haben, wenn man vor dem Gehege der Pinguine diese Assoziation hat.

Pinguine sind, obwohl sie Flügel haben, fluguntauglich. Ihre Flügel sind nur zum Schwimmen, nicht aber zum Fliegen geeignet. Ich weiß nicht, ob das früher anders war; ich könnte mir denken, dass sich die Pinguine in ihrer Lebensweise im Laufe der Jahrtausende verändert haben. Oder sie ein kleiner Evolutions-Scherz der Schöpfung sein? Da denkt man ja wieder an die Kängurus, die sich ja auch in einer Nische der Evolution zum Überleben versteckt haben.

Im Zoo frage ich mich angesichts des Blick-Gegenübers von Zoobesuchern und Pinguin-Gesellschaft, wer eigentlich wen besichtigt und mustert. Vielleicht denken die Pinguine: Was sind das eigentlich für seltsame Tiere, da ja jenseits der Trennmauer in allerlei seltsamen Kostümen herumstehen? Sie werden es ihrem Nachwuchs erzählen: den kleinen niedlichen Pinguinen und auch dem kleinen Känguru.